Britische Zukunftswissenschaftler um William Higham haben eine Puppe zum kläglichen Leben erschaffen, die den körperlichen Verfall durch 20 Jahre sitzende Berufstätigkeit aufzeigt: Der Rücken ist hexengleich gekrümmt, Krampfadern zieren die fahle, ödematöse Haut, die Augen rot, Nase und Ohren behaart, es besteht Übergewicht und eine Bindegewebsschwäche. Von den inneren “Werten” ganz zu schweigen: Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, eine kaputte und löchrige Darmschleimhaut, chronische Entzündungen und der Stoffwechsel ist nahezu zum Erliegen gekommen. Psychische Erkrankungen, allen voran eine Depression, sind fest abonniert.

Doch sehen Sie selbst:

 

 

 

 

 

 

Der Diplomsportwissenschaftler Christof Otte, Berater der officeplus GmbH, äußert sich gegenüber BUSINESSINSIDER Deutschland wie folgt:

Ein überzogenes Horrorszenario? Nein, sagt Christof Otte, Diplom-Sportwissenschaftler, Schmerztherapeut und Berater […]. „Das ist durchaus realistisch, langanhaltende und jahrzehntelange Bürotätigkeit kann in der Tat solche Folgen haben“, sagt Otte. „Wobei Emma natürlich alle Krankheiten auf einmal in sich vereint, das ist etwas überspitzt dargestellt.“ Manche Menschen neigten vielleicht nicht zu Gefäßerkrankungen oder zu stressbedingten Ekzemen. „Aber grundsätzlich wird an Emma exemplarisch sehr schön gezeigt, welche Körpersysteme – nämlich am Ende alle – unter dieser sitzenden Bürotätigkeit leiden.“ Das bedeute zwar nicht, dass bei allen Menschen zwingend all diese Beschwerden auftreten würden, so die Einschätzung des Sportwissenschaftlers. Die einzelnen Symptome seien aber durchaus realistisch dargestellt.

Ottes Patienten werden zudem immer jünger. Für ihn ist es längst keine Seltenheit mehr, dass gerade Menschen, die früh ins Berufsleben einsteigen, schon mit Anfang oder Mitte 30 erste Symptome zeigen. Spezielle Bürostühle beispielsweise könnten diese zwar ein wenig lindern, doch die wahre Ursache bekämpfe nur ausreichende Bewegung, bestenfalls an der frischen Luft. Zudem zeichnet sich in der Forschung zunehmend ab, dass sich die Folgen des dauerhaften Sitzens im Büro kaum mit sportlicher Aktivität am Abend ausgleichen lassen.

„Wenn man acht Stunden am Tag nur sitzt und dann abends versucht, das auszugleichen, indem man eine Stunde ins Fitnessstudio, joggen, radfahren oder spazieren geht, ist das natürlich zunächst positiv, weil man sich überhaupt mal bewegt und seinen Stoffwechsel ankurbelt“, sagt Otte. Aber mit dem Sitzen verhalte es sich ähnlich wie mit dem Rauchen: „Egal, ob man fett oder fit ist, rauchen ist immer ungesund.“ Ein Leistungssportler vertrage Rauchen genauso wenig wie eine Couch-Potato. „Rauchen schädigt die Gesundheit immer – und genau so ist es mit dem Sitzen auch“, so der Experte. „Sitzen ist gesundheitsschädlich und nicht aufzuwiegen in dem Sinne, dass ich lange Sitzzeiten – mehr als zwei Stunden am Stück – durch Bewegung wieder kompensieren kann.“ Sich abends zu bewegen, ist also durchaus wichtig, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, Bewegung über den ganzen Tag verteilt immer wieder einzubauen. […]

Das Büro, sagt Otte, entspreche dem genauen Gegenteil unserer evolutionären Veranlagung. Wir sind genetisch darauf ausgerichtet, uns den ganzen Tag überwiegend an der frischen Luft zu bewegen, verschiedenen Reizen ausgesetzt zu sein, auch mal Perioden mit wenig Nahrung durchzustehen. „Das muss man sich vor Augen führen: Der Jäger und Sammler wurde plötzlich, innerhalb der vergangenen paar Jahrzehnte nur, zum Homo sedens, dem sitzenden Menschen“, sagt Otte. „So schnell können wir uns evolutionär an diese neuen Arbeitsverhältnisse überhaupt nicht anpassen.“ […]

Unser gesamter Stoffwechsel und unser Bewegungsapparat will intensiv und langanhaltend bewegt werden. Die Folgen, wenn wir das nicht tun, spiegeln sich in allen Systemen wieder. „Unser Stoffwechsel wird beim langen Sitzen oder Stehen nicht aktiviert, unser Herz-Kreislauf-System erfährt keine Stimulation, unser Herz wird schwächer, unsere Gefäße verlieren an Elastizität, das mangelnde Volumen und die schlechtere Fließeigenschaft von Blut durch den langsameren Stoffwechsel führt zu Ablagerungen von Fetten und Kalken in den Gefäßen“, sagt Otte. Das könne zu früher auftretenden Alterungserscheinungen führen, zu Problemen mit der Haut, der Durchblutung, den Organen und der Muskulatur. „Die Leistungsfähigkeit nimmt ab und damit die gesamte Belastbarkeit des Organismus.“ […]

Es sei wichtig, seine Haltung regelmäßig zu wechseln, um den Stoffwechsel anzukurbeln und den Bewegungsapparat nicht einseitig zu belasten, so der Sportwissenschaftler. „Auch permanentes Stehen ist nicht gesund.“ Die ständige Dynamik mache den Unterschied, sagt Otte. „Der gesundheitliche Gewinn liegt in jenem kurzen Augenblick, in dem ich vom Sitzen zum Stehen übergehe oder umgekehrt“. Genau dann macht man im Prinzip eine Kniebeuge, aktiviert große Muskelgruppen und kurbelt den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System an […]. „Das Ziel muss sein, den gesamten Arbeitsalltag – wie auch seine Freizeit – mit möglichst viel Bewegung zu gestalten“, sagt der Sportwissenschaftler […].

Mehr dazu finden Sie in dem Beitrag von Lisa Schönhaar bei BUSINESSINSIDER Deutschland.

 

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Ihr officeplus-Team