Ergonomische PC-Tastaturen – das sollten Sie wissen!

Schon verrückt, wie viele „alternative“ PC-Tastaturen es neben „alternativen“ PC-Mäusen mittlerweile auf dem Markt gibt.

Und alle mit dem Versprechen, irgendwie ergonomisch zu sein…

In diesem Artikel wollen wir uns mal zusammen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema „alternativ gestaltete PC-Tastaturen“ ansehen.

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Die PC-Tastatur zwingt dem Benutzer i.d.R. eine bestimmte Haltung des Hand-Arm-Schulterbereiches auf.

Dies kann gesundheitliche Probleme mit sich bringen [14].

Wenn man sich die Studienlage zu den ergonomischen Tastaturen anschaut, herrscht zunächst Einigkeit darüber, dass

er Benutzer mit der Tastatur keine tastaturbedingte Haltung aufgezwängt bekommen sollte [vgl. 14].

Um Zwangshaltungen zu meiden, bieten verschiedene Hersteller unterschiedliche Tastaturlösungen an.

Die ergonomische Tastatur muss zunächst die geforderten Normen nach DIN 2137 und DIN EN ISO 9241 erfüllen (gähn…). Diese Normen sind jedoch sehr allgemein, ohne quantifizierende Angaben, gefasst.

Ergonomische Tastaturen sollten in Anlehnung an Keller Chandra et al. [5] folgende Funktionen, zumindest in Teilen, aufweisen [vgl. auch 1]:

  1. Neigung: positiv, negativ, nach außen (lateral), ohne
  2. Auswärtsdrehung: geteilte Tastatur um eine fixe Achse, komplett separierte Tastaturhälften

Diese verschiedenen Tastaturtypen bzw. Tastatureinstellungen wurden in Studien untersucht:

Negative Tastaturneigungen, also ein Abfallen der Tastatur zum Bildschirm, wurden in zahlreichen Studien als positiv bewertet, da diese Einstellung mit einer Abnahme der Handstreckung (Extension) einhergeht [13; 6; 7; 8; 2; 12; 3; 9].

Marklin und Simoneau [6] beschreiben eine Neigung von -7,5° als optimal. Hier befindet sich das Handgelenk weitestgehend in einer seitlich betrachteten Neutralstellung. Je mehr die Tastatur Richtung Bildschirm geneigt ist, desto größer wird die seitliche Handgelenksstellung zur Kleinfingerseite (Ulnarduktion) [13; 6; 7].

Dies kann bei teilbaren Tastaturen durch die Auswärtsdrehung der Tastaturhälften kompensiert werden [5].

Auswärtsgedrehte Tastaturhälften können bei 25° diese Ulnarduktion aufheben [6; 14] und den Muskeltonus der daran beteiligten Muskulatur um 10% senken [10].

Getrennte Tastaturhälften könnten die Ulnarduktion theoretisch komplett aufheben [6], zeigen jedoch eine mangelnde Akzeptanz beim Anwender [11].

Bei negativ geneigten Tastaturen kann jedoch eine Korrektur der Tischhöhe zwingend erforderlich sein (höhenverstellbare Tische!), um keine Kompensationsbewegungen in der Schulter durch einen höheren vorderen Tastenrand zu provozieren [5].

Nach außen (lateral) geneigte Tastaturen haben generell ein Akzeptanzproblem [6; 14], zeigen jedoch eine Reduktion der Außendrehung des Unterarmes [6; 14].

Damit geht eine Spannungssenkung der entsprechenden Unterarmmuskulatur einher [10; 14; 15].

Weiter gibt es unterschiedliche Tastenwege.

„Unter dem Tastenweg (auch Tastenhub genannt) versteht man den Weg, den eine Taste beim Anschlag bewegt werden kann“ [5].

Beim Tastenweg werden zwei Arten der Kraftverläufe bzw. der Bewegungswahrnehmung differenziert: Die Rampenfunktion (zunehmender Kraftverlauf) und die Schnappfunktion (plötzlicher Abfall der Kraftkurfe) [1]. Der Tastenweg ist ideal zw. 2 und 4 mm [vgl. u.a. 1].

 

Fazit: Ergonomische PC-Tastaturen können einen wesentlichen, anwenderakzeptierten Beitrag zu einer gesunden Arbeitsplatzgestaltung leisten. Gegen manchen Vorurteilen leidet auch die Performance nicht unter einer ergonomisch gestalteten Tastatur [6; 7; 8; 14].

 

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Bleiben Sie in Bewegung! Ihr Christof Otte

 

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Quellen

  1. DIN EN ISO 9241-4 (1999) Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten – Teil 4: Anforderungen an die Tastatur. Beuth, Berlin.
  2. Gilad, I.; Harel, S. (2000) Muscular effort in four keyboard designs. In: International Journal of Industrial Ergonomics 26, S. 1ff.
  3. Hedge, A.; Powers, J. (1995) Wrist postures while keyboarding: effects of a negative slope keyboard system and full motion forearm supports. In: Ergonomics 38, S. 508ff.
  4. ISO/FDIS 9241-410 (2007) Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Tel 410: Gestaltungskriterien für physikalische Eingabegeräte. Beuth, Berlin.
  5. Keller Chandra, S.; Hoehne-Hückstädt, U.; Ellegast, R. (2008) Ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik. In: Schriftenreihe der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) (3), Sankt Augustin.
  6. Marklin, R. W.; Simoneau, G. G. (2004) Design features of alternative computer keyboards: A review of experimental data. In: Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy 34, S. 638ff.
  7. Simoneau, G. G.; Marklin, R. W.; Berman, J. E. (2003) Effect of computer keyboard slope on wrist position and forearm electromyography of typists without musculoskeletal disorders. In: Physical Therapy 83, S. 816ff.
  8. Simoneau, G. G.; Marklin, R. W. (2001) Effect of computer keyboard slope and height on wrist extension angle. In: Human Factors 43, S. 287ff.
  9. Stack, B. (1987) Keyboard RSI: the practical solution. Muden Publishing Company, Tasmania.
  10. Strasser, H.; Fleischer, R.; Keller, E. (2004) Muscle strain of the hand-arm-shoulder system during typing at conventional and ergonomic keyboards. In: Occupational Ergonomics 4, S. 105ff.
  11. Swanson, N. et al. (1997) The impact of keyboard design on comfort and productivity in a test-entry task. In: Applied Ergonomics 28, S. 9ff.
  12. Tittiranonda, P. et al. (1999) Workplace use of an adjustable keyboard: adjustment preferences and effect on wrist posture. In: American Industrial Hygiene Association Journal 60, S. 340ff.
  13. Woods, M.; Babski-Reeves, K. (2005) Effects of negatevely sloped keyboard wedges on risk factors for upper extremity work-related musculoskeletal disorders and user performance. In: Ergonomics 48, S. 1793ff.
  14. Zecevic, A.; Miller, D.; Harburn, K. (2000) An evaluation oft he ergonomics of three computer keybords. In: Ergonomics 43 (2000), S. 55ff.
  15. Zipp, P. et al (1983) Keyboard design through physiological strain measurements. In: Applied Ergonomics 14, S. 117ff.
By | 29. März 2017|Produkte & Konzepte, Ratgeber & Tipps|0 Kommentare

About the Author:

Christof Otte ist u.a. Diplomsportwissenschaftler und Heilpraktiker. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Sport- und Manualtherapeutischen Bereich: Nach Tätigkeiten in verschiedenen Rehabilitationseinrichtungen betreibt er eine Privatpraxis für funktionelle Schmerztherapie des Bewegungssystems in Villingen und leitet zahlreiche Weiterbildungen zum Thema. Seit 2013 ist Christof Otte in der Gesundheitswirtschaft tätig, außerdem publiziert er regelmäßig Beiträge zu den Themen Ergonomie und Gesundheit und hält Workshops und Vorträge zum Thema.

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